Das Narrativ wird bald sein, dass die Ampelregierung deshalb kläglich an den Herausforderungen der Zeit scheitert, weil die FDP alles gute verhinderte. Und dass natürlich die Menschen noch nicht für dieses Gute bereit waren.
Denn Selbstreflexion ist im links-ökologischen Bereich nicht Teil ihrer Ideologie, aber im Moralismus gegründete Schuldzuweisungen.

Das moralistische Großmachtdenken deutscher grüner Außenpolitik wird zur Gefahr, weil auch dort Arroganz das Bemühen um das Verstehen des Anderen ersetzt hat.

Eine missratene Außenpolitik der Grünen zeigt: zu agieren, wie eine moralische Großmacht ersetzt keinesfalls wirtschaftliche und friedenspolitische Ziele.

Moralismus ist lebensfremd, weil er keine Voraussetzungen für ethisches Handeln kennt, mit der jede sittlich gute Tat als solche gewertet werden kann. Der so handelnde Mensch hat keinen vernünftigen Grund, sondern einen persönlichen.
Moralismus ist ausgrenzend, weil er seinen Maßstab nicht an Vernunft und Ethik anlegt, sondern am persönlichen Willen und ideologischen Zielen.
Moralismus will eine Ästhetik der Existenz schaffen, die sich allein selbst erschafft und erfindet, was zum Selbstkult und zur Selbstversessenheit führt und nicht zur Selbstkultur und Erziehung seiner selbst.

Und natürlich sollen alle, die schon Duschregeln, Mobilitätsvorschriften und Höchsttemperaturen für Wohnungen fordern, auch ihr exzessives Streaming einstellen, Computergaming beenden, das Smartphone abschalten und Blockchain einschränken.
Oder man kann auch vernünftig und in Verantwortung leben, ohne andere zu bevormunden und ihnen eigene Ängste aufzudrängen.

Alle, die ständig nach Verboten, gesetzlichen Regeln rufen, müssen verstehen, dass sie damit ihre Eigenverantwortung an einen Staat abgeben, der dann von ihnen auch jenes fordern wird, das nicht ihrer Ideologie oder ihrem Willen entspricht, außer man will im Faschismus leben.
Was folgt, ist der Beginn von Autoritarismus, Bevormundung, Einschränkung von Grundrechten und soziale Unruhen.
Das Ende von Demokratie einzufordern, nur weil man ungeduldig seine Gesinnung anderen aufdrängen will und dadurch nur seinen Lebensplan verwirklichen, ist nicht der Anfang einer vielfältigen, offenen Gesellschaft, sondern deren Ende.

Es ist ein Aspekt der Postaufklärung, dass hinsichtlich des menschlichen Lebens wissenschaftliche Kenntnisse ignoriert werden und das Leben aufgrund ideologischer Überzeugungen graduiert wird und willkürlich definiert.
Was man einst der Kirche oder Religion allgemein vorgeworfen hat, nämlich empirische Forschung und Realität zu ignorieren, wird nun von Ideologien und Ersatzreligionen im Zwang des Zeitgeists wissenschaftsfeindlich ausgeführt.
Die Menschenwürde wird von diesen Trägern der Postaufklärung zwar eingefordert, aber in ihrem Moralismus verbinden sie damit nicht das uneingeschränkte Recht auf Leben.

Heute erleben vor allem junge Männer eine unvergleichbare „Demoralisierung“. Diese zeigt sich besonders in drei Vorwürfen:

1. Vorwurf: Die Menschliche Kultur, besonders im Westen, sei am besten mit dem Begriff „repressives Patriarchat“ beschrieben. Macht sei der Hauptfaktor dabei, die Ehe sei mit Sklaverei verwandt, Freundschaft mit Ausbeutung, politische Meinungsverschiedenheiten mit Krieg und wirtschaftliche Vereinbarungen mit Täuschung und Diebstahl. Das sei auch die fundamentale Realität der Geschichte.

2. Vorwurf: Das menschliche Dasein sei vor allem ein Unternehmen, das den Planeten ausbeute. Die menschliche Rasse sei eine Bedrohung für das ökologische Utopia. Menschen würden als Krebsgeschwür des Ökosystems interpretiert. Wir stünden vor einer malthusianischen Katastrophe der Überbevölkerung und müssten uns massiv einschränken, damit wir überleben könnten.

3. Vorwurf: Die Ursache für all diese Katastrophen sei der verabscheuungswürdige männliche Ehrgeiz, wetteifernd und dominierend, machthungrig und egoistisch, ausbeuterisch, vergewaltigend und plündernd.

Solche Vorwürfe geschehen, wenn sich Ideologien in einem Feindbild vereinigen. Ideologien, welche die Natur vergöttlichen, Moralismus predigen, radikaler Feminismus, Kulturkampf um Identitäten.

Wir leben nicht in Zeiten des Verzichts, sondern des verantwortungsvollen Konsums.

Es ist Kernkompetenz der Verschwörungsmystiker, Querdenker und Coronaleugner keine Kompetenz außerhalb ihrer Inkompetenz anzuerkennen. Deshalb wissen sie nichts von Wissenschaft und kennen nur "alternative Fakten".
Die Reaktionen auf das Coronagutachten des Sachverständigenrats aus den eher linksgerichteten Gesellschaftsgruppen zeigen jedoch, dass auch dort Wissenschaftsfeindlichkeit beheimatet ist, wenn diese nicht jenes als Ergebnis hervorbringt, was der eigenen Meinung und Ideologie entspricht.
Es ist ein Merkmal der postaufgeklärten Zeit, dass empirische und wissenschaftliche Methoden wieder ihren Wert verlieren und ideologischer Aberglaube Macht gewinnt.

Es ist erbärmlich, wie SPD und Grüne die Menschen einschüchtern, Lebensängste schüren, auf kleinlichen Allgemeinverzicht einstimmen, nur um auf die Menschen ihre Unfähigkeit abzuwälzen, besondere Situationen ohne ihre parteilichen ideologischen Vorgaben zu meistern.
Aufgrund dieser Gesinnungsideologie nutzen sie Gelder aus Schulden, etablieren dadurch Abhängigkeit vom Staat.
Linksideologische Politik war noch nie geeignet Zukunft zu bauen, aber Unfreiheit durch Moralismus und seinem Gesinnungsterror herbeizuführen.

Indem man beginnt, routinemäßig durch Untersuchungen der schwangeren Mutter Trisomie 21 bei Kindern nachzuspüren, um die Geburt eines solchen Kindes zu verhindern, straft man jegliche Inklusion lügen. Denn die Botschaft ist an alle Menschen mit Down-Syndrom: Eigentlich seid ihr nicht lebenswert und willkommen.

Das Leben für Lau (bedingungsloses Grundeinkommen) kann nur gelingen, wenn es immer genügend andere Menschen gibt, die es mit ihrer Arbeit finanzieren. Man benötigt also immer genügend persönliche Sklaven.
Dann braucht es auch keine Jobcenter mehr wegen Leute, die ihr Talent in einer Arbeit zu nutzen, nur als Belästigung empfinden.
So bleibt genügend Zeit nach öffentlichkeitswirksamen Radfahren öfters am Tag zu duschen, auf dem Sofa über Stunden zu streamen und denselben CO2-Abdruck zu hinterlassen, mit dem andere währenddessen mit ihrem Auto zur Arbeit pendeln, um das Leben für Lau für einen selbst zu ermöglichen. Aber dafür kann man die ja dann als Klimazerstörer und Ewiggestrige in seinem Moralismus tadeln und man fühlt sich auch noch gut dabei.

So kann man sich die Welt in Unsolidarität doch bequem mit einem überheblichen Gefühl einrichten.

Wenn Abtreibungsgegner in den USA und anderswo mit den Taliban verglichen werden, kann man dann Abtreibungsbefürworter nicht auch als Massenmörder bezeichnen? Oder sind solch unangemessenen Vergleiche, die nur zur Diffamierung anderer dienen, das ausschließliche Privileg des Moralismus mit seiner Doppelmoral?

Es ist unsinnig ein Abtreibungsverbot oder Abtreibungsrecht gesetzlich zu fordern oder einzuführen. Das Leben ist zu kostbar und die Menschenwürde zu wertvoll, um es pauschal moralischem Legalismus zu unterwerfen.

Die Bundesregierung hat heute die Bewerbung einer Straftat als rechtmäßig eingeordnet.
Moralismus wird zur Bedrohung des Lebens, der Ethik und Menschenwürde.

Man sollte endlich aufhören, jeden heißen Tag einzig mit dem Klimawandel zu verbinden, gleich noch Panik zu schüren und die eigene Unfreude am Leben sowie Hoffnungslosigkeit samt Zukunftsangst andern aufdrängen zu müssen.
Permanente Schuldzuweisungen und Moralismus, der anderen vorschreibt, wie sie zu leben haben, lässt die Gefahr eines lebensfeindlichen Klimas in der Gesellschaft größer werden als die eigentlich Klimaveränderung.

Die Gaspreise steigen - besonders aufgrund des Boykotts Europas von Russland - und dort macht man deshalb die größten Profite seit langem, mit dem der Krieg finanziert wird.
Europa hat gezeigt, dass dort die Empörung und der Moralismus den Verstand lähmt, unkluge Entscheidungen fördert und deshalb das Ziel des Boykotts nicht erreicht wird. Gleichzeitig mänovriert sich Europa selbst in eine schwache Position und will dort die Menschen lieber frieren lassen, als der Ukraine helfen.

Schon zu Beginn des Kriegs wurde eine andere Lösung vorgeschlagen: So viel Gas wie möglich abnehmen und fördern, dass der Preis massiv sinkt, die Gewinne ebenfalls, und gleichzeitig mit Vernunft die Abhängigkeit von Russland mindern. Aber das war den Moralisten zu wenig Symbolpolitik.

Bei der Pflichtdienstdiskussion wird sich wieder einmal empört, dass man von Menschen abverlangt, sich in die Gesellschaft einzubringen. Man ist dies weder der Gesellschaft schuldig noch muss die Gesellschaft jungen Menschen ersparen, ihre Persönlichkeit im Dienst an Menschen oder der Gemeinschaft zu formen.

Des Menschen Suche nach Sinn im Leben erlangt sein größtes Ziel in uneigennütziger Arbeit am Nächsten und an der Zukunft. Deshalb geht es wiederum nicht um eine Freiheit von irgendwas, sondern für das Gute.

"Nur die Arbeit und zwar die uneigennützige Arbeit für ein ideales Ziel gibt dauernde Befriedigung."
Hermann von Helmholtz

Moralisten sind Heuchler, gefangen in Doppelmoral, weil sie für etwas einstehen, dass sie privat nicht durchhalten. Sie opfern zudem das Bessere für das vermeintlich Gute.

In dieser Haltung fordern sie, dass z.B. Religion Privatsache sei und in sozialen Medien nicht präsent, weil sie nicht verstehen können, dass das Private und die Öffentlichkeit in Wort und Handlung nicht zu unterscheiden sind, wenn man wahr und authentisch lebt.

Wer in dieser Unwissenheit lebt, muss aus Vernunftgründen ebenso Veganismus, Vegetarismus, überzeugte Radfahrer, Homosexualität etc. als ausschließlich dem Privaten vorbehalten deklarieren.

Das mögen Moralisten so halten, oder eben in ihrer Doppelmoral nicht, oder der Verachtung anderer Lebenspläne.
Wer jedoch aus einer Herzenshaltung heraus so lebt, wie er lebt, für den ist Privat und Öffentlichkeit ein und dasselbe und er muss niemand anderen seinen Lebensplan ausreden oder aufzwingen, weil er weiß, dass das Herz nicht Belehrung braucht, sondern Liebe.

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